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Mehr als ein Regenschirm fürs Haus

Traditionelle Steildächer sind wartungsfreier als Flachdächer, diese bieten aber Vorteile wie Schrägenfreiheit oder günstigere Erstellungskosten.
VON MICHAEL LOIBNER

Mehr als 80 Prozent aller Häuser in Österreich sind mit Steildächern versehen. Jedoch haben sich in den vergangenen 20 Jahren immer mehr Häuslbauer für Flachdächer entschieden. Zum einen vermutet man eine Tendenz zu reduzierten, geradlinigen Formen aber auch finanzielle Gründe. „Ich spare mir die Errichtung eines Dachstuhls durch den Zimmerer“, sagt Georg Spitzer, Geschäftsführer von „Spitzer Dach“ in Graz. Eine Studie der TU Wien zeigt, dass Steildächer langfristig günstiger sind. „Laut ÖNORM müssen Flachdächer mindestens einmal jährlich überprüft und gewartet werden, da sie anfälliger sind.“ meint der Sprecher der Initiative „Dachvisionen“, Alfred Steingress. Bei Steildächern existieren keine Wartungsvorschriften. Ein Flachdach braucht hingegen spezielle Abdichtungen und Wasserabläufe welche zum Beispiel durch Laub verstopfen können.

Technik gegen Feuchtigkeit

Kommt es zu einem Feuchtigkeitseintritt, sind die Reparaturkosten bei Flachdächern hoch. „50 Prozent aller Schäden sind auf mangelnde Wartung zurückzuführen, je 25 Prozent auf Verarbeitungs- und Planungsmängel.“ sagt Bausachverständiger Wolfgang Hubner vom Wiener Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung. Für Leistungsfreiheit im Schadensfall sind für Versicherungen meistens fehlende Wartungsverträge die Grundlage. Huber sagt voraus, dass: „Moderne Sensortechnik wird jedoch ein Rund-um-die-Uhr-Feuchtigkeitsmonitoring zum Standard werden lassen.“ Überschreiten die Feuchtigkeitswerte eine bestimmte Grenze, wird der Hauseigentümer gewarnt, für die Schneelast gibt es bereits Gewichtssensoren. Bleiben Wasserschäden unbemerkt, greift die Feuchtigkeit die Wärmedämmung an und es kommt zum Energieverlust. Im schlimmsten Fall leidet die Bausubstanz. Bei Steildächern geht man von einem Erneuerungsbedarf nach rund 30 bis 50 Jahren aus. Die Meinungen über die Lebensdauer von Flachdächern geht bei Experten auseinander. Manche sprechen ihnen 15- und andere 30 Lebensjahre zu.

Vor allem in urbanen Zentren, wo Wohnraum Mangelware ist, werden Flachdächer aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugt. Dies hat den einfachen Grund, dass Räume unter Flachdächern keine Schrägen aufweisen und jeder Winkel nutzbar ist. Andererseits sind Dachstuhlausbauten zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums wesentlich kostengünstiger als das Aufsetzen von Etagen auf Häuser mit Flachdach. „Häuslbauer sollten also schon bei der Planung überlegen, ob sie künftig zusätzlichen Wohnraum benötigen“, rät Steingress.

Solar und Grün obenauf

Wer sich im Sommer gern auf einer begrünten Dachterrasse sonnen möchte, wird flach bauen. Eine Bepflanzung setzt aber einen besonderen Schichtenaufbau des Dachs voraus. Hubner denkt zudem ökologisch: „Das Grün, das durch den Grundriss des Hauses unten verloren geht, kann man oben draufsetzen.“ Ebenfalls kann jede Dachform für die Gewinnung von Solarenergie genutzt werden. Laut „Dachvisionen“ fügen sich Solarzellen bei Steildächern „durch die Neigung harmonisch ins Erscheinungsbild ein“. Bei Flachdächern benötigt man Ständer dadurch ist die Wartung aber – aufgrund der leichten Zugänglichkeit – einfacher.
Mithilfe von Architekten sind zudem bei jedem Dach besondere gestalterische Akzente möglich. Zum Beispiel kann man das Steildach als Sattel-, Walm- oder Mansardendach gestalten. Eine andere Möglichkeit für das Flachdach wäre, Lichtkuppeln anzubringen.
Nach der Frage der Form des Daches stellt sich auch jene nach dem Material. Für Steildächer sind Abdeckungen aus Faserzement, Beton oder Tonziegeln immer noch Standard. Bei Flachdächern setzen die Hersteller auf Bitumen, auf robuste Kunststofffolien sowie neuerdings auf ausrollbare Kautschukbahnen. „Mit dieser Variante hat man in sehr kurzer Zeit ein dichtes Dach“, sagt Spitzer. Wer will, kann sein Flachdach zudem mit Edelstahl oder verschiedenen Beschichtungen wetterfest machen. Nicht zuletzt sollten Häuslbauer bei der Gemeinde nachfragen, ob Einschränkungen bei der Dachgestaltung aus Gründen des Ortsbildschutzes bestehen.

Rund ums Dach

Flachdächer sind wartungs- und kostenintensiver, können aber als zusätzliche Fläche genutzt werden. Zudem gibt es im unteren Stock keine Schrägen.
Steildächer sind witterungsbeständiger. Experten sind sich einig, dass man in Qualitätssicherung investieren soll. Das Abdichten des Daches darf von jedermann durchgeführt werden. Dichtheit ist jedoch das wichtigste Merkmal des Daches, weshalb man sehr genau auf die Qualifikation des Auftragnehmers achten sollte.

2018-08-02T15:44:22+00:00